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Notenspur Station 22 - Zur Geschichte der Musik an der Universität Leipzig

Ergänzende Informationen zu den Tafeln im Foyer des Neuen Augusteums der Universität Leipzig

 

 

1. Die Universitätskirche St. Pauli und das Fürstenhaus in Leipzig | Die dreischiffige gotische Kirche diente seit der Reformation als Academische Kirche zu St. Pauli. Hier fanden Gottesdienste, sogenannte Spektackelmessen und auch musikalisch begleitete akademische Feiern statt. Nach einem universitären Festakt zog die Gesellschaft in das Fürstenhaus, um dort an einem Festschmaus teilzunehmen. Das Fürstenhaus war einer der schönsten Renaissancebauten Leipzigs. Es gehörte von 1648 bis 1918 der Universität Leipzig. Lithografie, Anf. 19. Jh., nach einer Vorlage aus dem 18. Jh.; Grafikantiquariat Koenitz. 2. Beschreibung der gotischen Orgel | Die seit 1528 vorhandene große Orgel in der Universitätskirche zu St. Pauli wurde 1626/1627 umgebaut und erweitert. Aus: Michael Praetorius, Syntagma Musicum, 1619, S. 116. 3. Orgel von Johann Scheibe, gebaut 1710–1716 für die Universitätskirche St. Pauli. | Die 1709 begonnene Sanierung der Kirche und die Errichtung des barocken Westportals sowie die Einführung des Neuen Gottesdienstes gaben den Anlass, auch eine neue Orgel in Auftrag zu geben. Sie wurde 1717 von Johann Sebastian Bach geprüft. Kupferstich nach Süsse, um 1720; Foto: Silbermann Archiv.

 

 

4. Laute spielender Student | Stammbuchblatt, 1750. Universitätsbibliothek Leipzig. 5. Stammbuchblatt | Komposition mit Tanzschritten. Eintrag des Geigers Johann Gottlieb Geißler, Leipzig 17.12.1768 in das Stammbuch des Studenten Ch. Fr. Woydt, immatrikuliert 1764. Universitätsbibliothek Leipzig. 6. Musikalischer Festumzug, 1783 | Festzug der Studenten zu Ehren des Rektors J.F. Burscher am 5. März 1783. Musikalische Festumzüge der Studenten hatten eine lange Tradition in Leipzig. Kupferstich von Friedrich August Scheuereck, 1783; Stadtgeschichtliches Museum Leipzig.

 

 

7. Johann Adam Hiller (1728–1804) | Hiller studierte ab 1751 Jura in Leipzig, er war Musikschriftsteller, Komponist, Thomaskantor und erster Kapellmeister des Gewandhauses. Er trat mehrfach in St. Pauli auf. Anton Graff, 1774; Kunstbesitz der Universität Leipzig. 8. Innenraum der Universitätskirche St. Pauli | 1802 wurde die Leipziger Singakademie, zwanzig Jahre später der Universitäts-Gesangverein zu St. Pauli gegründet. Beide Chöre wurden regelmäßig zur Ausgestaltung der akademischen Festakte herangezogen. Ausmalungsentwurf zum 500-jährigen Jubiläum der Universität. Landesdenkmalamt Sachsen. 9. Liederbuch | Leipzig, um 1920. Die Sammlung enthält neben anspruchsvollen zeitgenössischen Chorwerken auch geistliche Lieder und lutherische Choräle. Der Akademische Gesangverein Arion zu Leipzig wurde aus ehemaligen Thomanern 1849 gegründet. Er spielte auch im städtischen Musikleben eine wichtige Rolle. –  Notenspur Leipzig e.V.

 

 

10. Persönlichkeiten der Universitätsmusik (v. l. n. r.) | 1519–1520: Georg Rhau, 1594–1615: Sethus Calvisius, 1723–1750: Johann Sebastian Bach Aus: 600 Jahre Musik an der Universität Leipzig, 2010. 11. Universitätsmusikdirektoren (v. l. n. r.) | 1770–1778: (vertretungsweise) Johann Friedrich Doles, 1778–1785: Johann Adam Hiller, 1809–1810: Johann Gottfried Schicht Aus: 600 Jahre Musik an der Universität Leipzig, 2010 12. Universitätsmusikdirektoren (v. l. n. r.) | 1818–1827: Johann Philipp Christian Schulz, 1827–1843 Christian August Pohlenz, 1843–1860 Ernst Friedrich Eduard Richter Aus: 600 Jahre Musik an der Universität Leipzig, 2010.

 

 

13. Universitätsmusikdirektoren (v. l. n. r.) | 1860–1887: Hermann Langer, 1898–1906: Heinrich Zöllner, 1907–1908: Max Reger Aus: 600 Jahre Musik an der Universität Leipzig, 2010. 14. Universitätsmusikdirektoren (v. l. n. r.) | 1909–1930: Friedrich Brandes, 1939–1966: Friedrich Rabenschlag (mit Unterbrechung 1945–1949), 1963–1973: Leiter des Universitätschores Hans-Joachim Rotzsch Aus: 600 Jahre Musik an der Universität Leipzig, 2010. 15. Universitätsmusikdirektoren (v. l. n. r.) | 1975–1987 Max Pommer, 1991–2004: Wolfgang Unger, seit 2004 David Timm Aus: 600 Jahre Musik an der Universität Leipzig, 2010.

 

 

 

16. Hugo Riemann, Gründungsdirektor des Instituts für Musikwissenschaft (1849-1919) | Seit der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts wurde Musikwissenschaft als Lehrfach an der Leipziger Universität angeboten. Hier lehrte seit 1895 auch Hugo Riemann, der 1908 ein selbständiges Institut unter dem Namen Collegium musicum gründete. – Foto: Raoul Riemann, Berlin. 17. Prof. Dr. Theodor Kroyer (1873–1945) | Dem Musikwissenschaftler und Institutsdirektor gelang es 1926, die bedeutende Instrumentensammlung (de Wit, Heyer) aus Köln anzukaufen, die den Grundstock des 1929 eröffneten Museums für Musikinstrumente der Universität Leipzig bildet. – Gemälde von Margarete Bethe-Loewe, 1932. Museum für Musikinstrumente der Universität Leipzig. Foto: Marion Wenzel. 18. Studenten der Musikwissenschaft 1929 | Das Institut für Musikwissenschaft und die Musikinstrumentensammlung zogen gemeinsam 1929 in das Grassimuseum ein. Professor Kroyer erläutert den Studenten das Cembalo von Bartolomeo Cristofori aus dem Jahre 1726. – Museum für Musikinstrumente der Universität Leipzig, Fotoarchiv.

 

1410 | Vorlesungen über die Musica speculativa des Johannis de Muris. Andere deutsche Universitäten folgen im 15. Jahrhundert dem Leipziger Beispiel.

1503 | Zahlungen der Universität an einen Organisten und einen Kantor für eine universitäre Feierlichkeit.

1504 | Fertigstellung des Kodex des Magisters Nikolaus Apel – eine der bedeutendsten deutschen Musikhandschriften jener Zeit.

1543 | St. Pauli geht in den Besitz der Universität über. Für die Musik der akademischen Festakte sorgt meist der Thomaskantor.

Mitte des 16. Jh. | Neue Vorlesungen und Übungen zur Musik, die nun häufig von den Kantoren der Thomas- oder Nikolaikirche durchgeführt werden. Sie dienen vornehmlich der Ausbildung von praktischen Musikern.

1655/56 | Mit Werner Fabricius stellt die Universität erstmals einen eigenen „Academiae Musicus“, d. h. Universitätsmusikdirektor, ein.

17. Jh. | Existenz mehrerer Collegia musica (studentische Instrumental-Ensembles)

1701 | Gründung eines Collegium musicum durch den Jura-Studenten Georg Philipp Telemann es wird später u. a. von Johann Sebastian Bach geleitet.

1708 | Gründung eines zweiten Collegium musicum durch den Jura-Studenten Johann Friedrich Fasch.

1710 | Einrichtung eines öffentlichen, mit anspruchsvoller Figuralmusik ausgestatteten, „neuen” Gottesdienstes in der Universitätskirche St. Pauli.

1723–1750 | An einigen hohen kirchlichen Festtagen und bei „Feyerlichen Redeakten“ wird der Musikbeitrag durch den Thomaskantor Johann Sebastian Bach gestaltet. Dabei werden, wie seit Jahrhunderten üblich, schlichte Motetten gesungen.

1737–1743 | Musiktheoretische Vorlesungen durch Lorenz Christoph Mizler (erstmals seit dem 16. Jahrhundert).

1793 | Erstmals musikästhetische Vorlesungen durch Christian Friedrich Michaelis.

ab 1812 | In der Universitätskirche werden Oratorien (darunter bedeutende zeitgenössische Werke) durch die 1802 gegründete Leipziger Singakademie, deren Dirigenten 1818 bis 1847 zugleich Universitätsmusikdirektoren sind, aufgeführt. Nach 1850 kommen Riedelverein und Bachverein hinzu.

1822 | Gründung des Sängervereins an der Kirche zu St. Pauli, der sich ab 1824 Universitätssängerverein zu St. Pauli und ab 1919 Universitäts-Sängerschaft zu St. Pauli nennt. Seine Leiter sind von 1860 bis 1936 gleichzeitig Universitätsmusikdirektoren. Um die Jahrhundertmitte (1849) tritt der Akademische Gesangverein Arion hinzu. Die beiden studentischen Männerchöre entwickeln sich bis zum Ersten Weltkrieg zu den mitgliederstärksten Leipziger Studentenverbindungen und singen in zahlreichen Konzerten allein oder mit gemischten Chören u. a. im Gewandhaus und in der Universitätskirche.

1859 | Einführung regelmäßiger Vorlesungen zur Musikgeschichte durch den Universitätsorganisten und späteren Universitätsmusikdirektor Hermann Langer.

1890–1895 | Der Universitätsmusikdirektor Hermann Kretzschmar veranstaltet jährlich sechs Akademische Orchesterkonzerte, die den Studenten der Universität zur musikalischen Bildung dienen sollen.

1907 | Für anderthalb Jahre ist der bedeutende Komponist Max Reger Leipziger Universitätsmusikdirektor.

1908 | Hugo Riemann gründet das Collegium musicum als Ursprung des Musikwissenschaftlichen Instituts.

1926 | Gründung des Madrigalkreises Leipziger Studenten durch Friedrich Rabenschlag. Aus diesem sowie aus der ebenfalls von Rabenschlag geleiteten Heinrich-Schütz-Kantorei (vormals Universitätskantorei) geht 1938 der Leipziger Universitätschor hervor.

1926 | Ankauf der Heyer’schen Sammlung historischer Musikinstrumente aus Köln für die Leipziger Universität. Die Sammlung bildet den Grundstock für das 1929 eröffnete Museum für Musikinstrumente der Universität Leipzig im Grassi-Museum.

1943 | Bei einem Luftangriff werden die Räume des Instituts für Musikwissenschaft und des Instrumentenmuseums im Grassimuseum schwer getroffen. Zahlreiche einzigartige Instrumente werden beschädigt oder zerstört.

1946 | Wiederbeginn der Arbeit des Universitätschores, der Universitätskantorei und des Kammerorchesters der Universität unter Friedrich Rabenschlag.

1950 | Gründung des Instituts für Musikerziehung (1966 bis 1993 mit dem Institut für Musikwissenschaft vereinigt).

1954 | Gründung des Akademischen Orchesters (zunächst Collegium musicum genannt) durch Horst Förster.

1957 | Gründung der Capella fidicinia am Musikinstrumenten-Museum durch Hans Grüß.

1968 | Sprengung der unversehrten Universitätskirche, der Heimstatt des Universitätschores.

seit den 1960er Jahren | Gründung mehrerer weiterer musikalischer Ensembles an der Universität sowie an einzelnen Fakultäten und Instituten.

1992 | Einrichtung der Leipziger Universitätsmusik und Gründung des Pauliner Kammerorchesters durch Wolfgang Unger.

1994 | Gründung des Pauliner Barockensembles durch Wolfgang Unger und erstmalige Veranstaltung der Leipziger Universitätsmusiktage, die seitdem etwa im zweijährigen Turnus stattfinden.

2003 | Gründung des Leipziger Universitätsorchesters.

2006 | Gründung der Unibigband Leipzig.

2009 | Jubiläumsjahr zum 600-jährigen Bestehen der Universität Leipzig mit monatlichen Konzerten der Universitätsmusik. Veröffentlichung der durch den Universitätschor eingespielten Gesamtaufnahme Festmusiken zu Leipziger Universitätsfeiern mit allen 12 erhaltenen Bach-Kantaten für die Universität. Uraufführung des Auftragswerks Memoriam – Tempo e tempi des Leipziger Komponisten Bernd Franke zum Festakt am 2.12.2009 im Paulinum – Aula/Universitätskirche St. Pauli.

 

 

Weiterführende Literatur

Eszter Fontana (Hrsg.)
600 Jahre Musik an der Universität Leipzig, 2010

Impressum

Ein Projekt des Notenspur Leipzig e.V gemeinsam mit der Universität Leipzig

Konzeption, Organisation:
Notenspur Leipzig e.V.
Universitätsmusik und Institut für Musikwissenschaft der Universität Leipzig

Gestaltung und Texte:
Notenspur Leipzig e.V.

Fachliche Unterstützung:
Rudolf Hiller von Gaertringen, Leiter der Kustodie der Universität Leipzig
Internationale Telemanngesellschaft

Produktion der Tafeln:
Urban & Urban Leipzig

Unterstützt von: Dezernat IV. der Universität Leipzig

Förderer:
Förderkreis Museum für Musikinstrumente der Universität Leipzig e.V
Vereinigung von Förderern und Freunden der Universität Leipzig e.V.
Sparkasse Leipzig
Internationale Telemann-Gesellschaft e.V.
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