ehem. Synagoge Apels Garten (orthodoxe Ez-Chaim-Synagoge) (Notenbogen-Station 12)

Ez-Chaim-Synagoge nach 1922

Foto: Atelier Herman Walter, Stadtgeschichtl. Museum Leipzig

Die Ez-Chaim-Synagoge (Ez Chaim: Baum des Lebens) wurde 1922 geweiht. Mit 1200 Plätzen war sie die größte orthodoxe Synagoge in Sachsen. Eine großzügige Spende des bekannten Rauchwarenhändlers Chaim Eitingon hatte den Bau ermöglicht. Die Synagoge ist eng verbunden mit dem Wirken von Ephraim Carlebach, der seit 1917 als orthodoxer Rabbiner amtierte, aber erst 1924 in dieser Funktion gleichberechtigt neben dem liberalen Rabbiner verpflichtet wurde. Ein großer Teil der Leipziger Juden waren osteuropäische Migranten.
Überregionale Anziehungskraft besaßen die Gottesdienste vor allem durch Nahum (Nathan, Nochim) Wilkomirski, den wohl berühmtesten Leipziger Kantor. Der 1885 Geborene stammte aus Litauen. Zeitzeugen rechnen ihn übereinstimmend "zu den großen Kantoren seiner Zeit“ (S. J. Kreutner). Hans Reimann würdigt ihn 1929 in seinem Stadtführer "Leipzig. Was nicht im Baedeker steht“: "Tritt ein. Wenn du Glück hast, ist Festtag und rechts an der Tafel steht: ‚Heute betet Wilkomirsky’. Was Rosenblatt in New York und Fleischmann in Köln, das bedeutet Wilkomirsky den Juden in Laibzj.“ 1936 verließ er Leipzig, um sich zunächst in Paris und London, 1945 in den USA eine neue Existenz aufzubauen. Er starb 69jährig in Oakland/Kalifornien.
Dem orthodoxen Verständnis entsprechend gab es an der Ez-Chaim-Synagoge keine Orgel und der Chor bestand ausschließlich aus Männer- und Knabenstimmen. Chorleiter war ab 1928 bis zu dessen Exil Fabian Gonski, der auch an der Ohel-Jakob-Synagoge in der Pfaffendorfer Straße wirkte und den Jüdischen Gesangsverein "Hasamir“ (Nachtigall) betreute.
Im November 1938 wurde die Ez-Chaim-Synagoge zerstört.

Station 11, Standort Zweites Gewandhaus, Mendelssohn-Ufer

Pfeil nach links
Distanz:
890m

ehem. Synagoge Apels Garten (orthodoxe Ez-Chaim-Synagoge) (Notenbogen-Station 12)

Pfeil nach rechts
Distanz:
220m

Station 13, Nikischplatz, Nikischstele