Selbst ein Landsitz, eine dem Hoch-Adel zustehende Baukultur, war in Leipzig mit dem
Bürgertum verbunden. Die herausragende Stellung der Leipziger Kaufleute in Sachsen Mitte
des 18. Jahrhunderts, das damit eng verbundene wirtschaftliche Vermögen widerspiegelte sich
selbstredend in der Architektur. Die Handels- und Messestadt hatte eine Universität von Rang,
nahm eine zentrale Stellung im deutschen Buch- und Zeitschriftenwesen ein. Die Ideen der
Aufklärung prägten das Denken der Leipziger Bürgerschaft, Literatur- und Theatergeschichte
wurde geschrieben. All das waren Bedingungen für die Herausbildung einer eigenständigen
bürgerlich geprägten Barock-Kultur in dieser Stadt, die durch ihre Gartenkultur
überregionale Ausstrahlung erlangte.
Das Gohliser Schlösschen wurde 1755/56 vom Leipziger Handelsherrn Johann Caspar Richter erbaut.
Noch heute sind die 1779 fertig gestellten Plafondausmalungen und das Gemälde "Der Lebensweg
der Psyche" des insbesondere durch die Aufzeichnungen seines Schülers Johann Wolfgang von
Goethe unvergessenen Leipziger Malers und Bildhauers Adam Friedrich Oeser zu sehen. Dass man
im "Musenhof am Rosenthal" allenthalben auf berühmte Namen trifft, verwundert nicht: Körner
und sein Freundeskreis, Friedrich Schiller
(s.
Notenrad-Station 7) seien erwähnt.
Robert Schumann
(s.
Notenspur-Station 7)
vermerkte im Haushaltbuch den mehrfachen Kontakt zu einem Eigentümer des Schlösschens: Johann
Ludwig Gebhard von Alvensleben, Philosoph, Amateurkomponist und -schriftsteller. Eine
Musikalische Morgenunterhaltung, die von Alvensleben vor geladenen Zuhörern am 19. Februar
1843 im Gewandhaus gab, besuchte Schumann.
Das Schlösschen wurde im Jahr 1793 durch testamentarische Verfügung Eigentum der Stadt.
1832 kaufte es die Familie von Alvensleben. Gerade die Besitzer im 19. Jahrhundert lieÞ¥n
bedingt durch das Wertebewusstsein der Zeit keine Umformungen zu. 1998 wurde nach der
Sanierung viel von der Ursprünglichkeit der Architektur erneut sichtbar.
Nach der Beseitigung der Kriegsschäden beherbergte das Schlösschen von 1950, dem Jahr des
ersten großen Bach-Festes nach dem Kriege zum 200. Todestag des Thomaskantors, bis 1985 das
Bach-Archiv Leipzig
(s.
Notenspur-Station 18),
das mit seiner Gründung unter anderem mit der Neuen Bach-Ausgabe betraut war. Eine
bemerkenswerte deutsche Musikgeschichte: ein gemeinsames Forschungsprojekt in Leipzig und
Göttingen. Zu Bach wurde im Schlösschen nicht nur geforscht: Wöchentliche Schallplattenstunden
machten die Hörer mit seinen Kompositionen bekannt, denn darüber wurde profund erzählt. Die
Serenaden im Schlossgarten wie die Kammermusikreihe im Schlösschen waren eine Leipziger
Institution, an die heute mit neuen Veranstaltungsreihen angeknüpft wird.
Internet: Gohliser Schlösschen
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Station 7, Schillerhaus |
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